Häuser für Waisenkinder e.V.

Der Blog - live aus Kenia

Monat: Januar 2016

Auf der Suche nach Bambus

11. – 17.01.2016

Die Ramm- und Umbauzeiten werden langsam von Abschnitt zu Abschnitt besser. Ein relativ großer Wandabschnitt war heute in vier Stunden fertig gestellt. Die Oberflächen sehen recht gut aus. Die Fugen der Schalungsbretter zeichnen sich zwar ab, aber dies ist der lokal gebauten Schalung geschuldet.

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Colins sagte nach dem Ausschalen: „ We are proud of what we are doing!“ und alle anderen strahlten.

Donnerstag Nachmittag fuhren Michael und ich rund 25 km über zum Teil schlechte Erdpiste nach Gem in den Busch um jemanden zu besuchen, der Bambus anbaut. Es handelt sich um einzige Plantage mit südostasiatischem Bambus in Kenia. 18 verschiedene Arten und Größen werden hier angepflanzt. Wir sind auf der Suche nach Alternativen zu normalem Holz für die Dachstühle. Holz ist sehr teuer. Auch Stahlrohre sind nicht wesentlich preiswerter. Bambus hat die guten Eigenschaften, bei geringem Eigengewicht sehr tragfähig zu sein. Die Problematik liegt bei kraftschlüssigen Verbindungen, da die Stämme hohl sind. Es gibt low-tech Lösungen, die wir aber erst ausprobieren müssen. Bambus ist  deutlich preiswerter, allerdings müssen Tragwerke als sogenannte Zangenkonstruktionen ausgeführt und entsprechend verbunden werden.

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Das bedeutet, dass mehrere Profile parallel verlaufen und mehr Material notwendig ist. Das werden wir jetzt analysieren und dann entscheiden.

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Im Blog hat eine Bauingenieurin ihre Anerkennung über unsere Arbeit hinterlassen. Dieses Lob habe ich heute Morgen an die Mitarbeiter weitergegeben. Sie haben sich sehr gefreut und sich bedankt.

Für die Trenntoiletten habe ich heute Holz für den Dachstuhl, Wellblech, Regenrinnen und die entsprechenden Kleinteile gekauft. Das Aussuchen des Holzes war langwierig und teuer. Langwierig, weil man die Kanthölzer sehr genau aussuchen muss, weil es viele Beschädigungen und verzogene Profile gibt. Beim Warten ist mir wieder einmal mehr aufgefallen, wie hier gearbeitet wird. Viele Menschen arbeiten 7 Tage pro Woche, von 9 bis 21 Uhr. Es wird wirklich viel gearbeitet, aber es ist immer auch Zeit für ein Schwätzchen und für Lachen. Auch ich als „Mzungu“ werde immer wieder mit einbezogen. Und das macht für mich den entscheidenden Unterschied: Es wird viel gearbeitet, aber es gibt wenig Stress. Den Anderen wahrzunehmen und zu grüßen ist hier elementar wichtig. So kommt man fast überall sehr leicht auch mit Fremden ins Gespräch.
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Für diagonale Abstützung haben wir jetzt Stahlrohre, die gelenkig an den  Holzpfosten befestigt sind. Dies erleichtert das Ausrichten und den Umbau der Schalung. Die Winkel sind aus alten Winkelprofilen gesägt, die wir noch hatten. Die Schrauben habe ich bei einem Schrotthändler in Jua Kali organisiert. Das war großes Glück, denn solche Schrauben sind in Siaya kaum erhältlich. Und preiswerter als Neue waren sie auch. Etwas rustikal, aber es funktioniert.

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Die letzten Wochen waren überwiegend ohne Regen. Es wurde immer heisser, so dass jeder dachte, dass dieser lange Regen endlich vorbei ist. Aber heute hat er sich zurück gemelde, so dass wir die Gebäude abdecken und die Arbeit unterbrechen mussten. Die Zeit von November bis Februar ist normalerweise die Trockenzeit.

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Daher haben wir ein temporäres Schutzdach gebaut, um vor Regen und Sonne geschützt die Erde sieben und mischen zu können. Wenn die Arbeiten abgeschlossen sind, wird es ab und an anderer Stelle als Lager und Abstellraum wieder aufgebaut.

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Stampflehm und Lehmsteine

04. – 10.01.2016

Die erste Aktion war heute die Schalung zu entfernen. Wieder waren alle sehr gespannt. Die neue Wand sieht gut aus. Lediglich an ein paar kleinen Stellen war die Mischung etwas zu trocken. Das sind aber nur kleine Stellen, die ausgebessert werden können.

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Weiter werden die Streifenfundamente des Waisenhauses betoniert, Lehmmörtel für morgen vorbereitet, weitere Schalungselemente umgebaut, gesiebt und die Schalung für den nächsten Wandabschnitt aufgebaut.

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Ich bin damit beschäftigt, defekte Gerätschaften reparieren zu lassen und Materialien zu besorgen. So habe ich heute eine Gießkanne gekauft. Eigentlich nichts besonders. Industriell produzierte habe ich noch nicht gesehen. Es gibt hier ein Gewerbegebiet „Jua kali“. Das bedeutet „Heiße Sonne“, oder auch „Scharfe Sonne“, weil hier die Kleinhandwerker unter der heißen Sonne arbeiten. Ein herbes Viertel. Mittlerweile bin ich da gut bekannt und irgendwie mag ich dieses Viertel. Hier wird nämlich mit einer unglaublichen Kreativität alles Mögliche recycelt. Die besagte Gießkanne z.B. wurde aus alten Blechen gebaut. Das gefällt mir hier: Nichts wird weggeworfen, sondern aus dem Gesammelten entstehen neue Dinge. Das ist ökologisch und verschafft vor allem den Handwerkern Arbeit. Außerdem ist es oft preiswerter.

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IMG_9431 Diese Schüssel “Carrey” wurde ebenfalls recycled

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Das ist mein Bauleitungsbüro

Immer wieder kommen Leute auf die Baustelle und wollen die Lehmwand sehen. Michael meint, dass das hier eine Menge verändern wird , wenn sich das erstmal rumgesprochen hat. Dann würde es auch nicht mehr lange dauern, bis Zeitungsreporter und Fernsehteams kommen.

Nach der ersten Wand haben wir entschieden, dass wir jetzt zuerst die Schalung weiter umbauen um später zwei „Sets“ zu haben. Also wieder getüftel. Heute habe ich den halben Tag mit gearbeitet. Und zwar haben wir zwei Schalungsrahmen so umgebaut, dass wir nachher Hölzer in der Wand haben, um die Türen daran festzuschrauben.

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Auf Basis der Lehmmörteltests haben wir heute Mischung für Lehmmörtel angesetzt, um morgen mit dem Lehmsteinmauerwerk beginnen zu können.

Mittwoch. Eine Fahrt nach Kisumu  (ca. 70 km und die 3. größte Stadt)  ist heute erforderlich, weil morgen mein Visum abläuft. Das Touristenvisum, dass man bei der Einreise bekommt ist maximal 3 Monate gültig. Es kann einmal um weitere 3 Monate verlängert werden. Das dauert den ganzen Tag und passt mir gar nicht ins Konzept, muss aber sein. Außerdem können wir bei der Gelegenheit ein paar Dinge besorgen, die in Siaya nicht erhältlich sind.

Als Erstes zum Immigration Office. Dort erwartete uns wieder der gleiche unfreundliche und unmotivierte Beamte wie beim letzten Mal. Auf Grund der Al Shabab Anschläge werden die Visa nicht mehr so leicht verlängert wie früher. Also haben wir uns eine Geschichte für den Beamten überlegt. Eine von Michael’s Töchtern ist in Österreich verheiratet. Michael erzählte ihm, dass ich aus der Familie des Schwiegersohns stamme und ihn hier besuche. Der Beamte war zunächst ziemlich abweisend. Michael hat ihm dann flüchtig 1.000 KSh zugesteckt und plötzlich wurde er etwas gesprächiger. Er füllte das DIN A3 Formblatt aus, nahm meine Abdrücke von allen Fingern und wurde zwischendurch etwas ungehalten, als ich nicht verstand, wie er die Fingerabdrücke nehmen wollte. Was ihn dann völlig konfus machte war die Tatsache, dass er nicht verstand, ob ich nun Deutsch, oder Dutch sei. Mehrfach mussten wir ihm erklären, dass German = Deutsch ist und Dutch = Holland, und ein anderer Staat ist. zwischendurch wurde er dann leicht ungehalten. Ich erhielt den vorläufigen Ausweis (Alien Card), der richtige Ausweis dauert 2 Monate. Zu guter Letzt hat er dann vergessen die offizielle Bearbeitungsgebühr von 2.000 KSh zu kassieren. Ich hab nichts gesagt. Den Stempel im Reisepass und den vorläufigen Pass habe ich.
Ich bin also nach wie vor illegal hier. Da ich nur ein Touristenvisum habe, darf ich nicht arbeiten. Daher waren wir vor 3 Monaten schon mal hier, um das Touristenvisum in ein Arbeitsvisum für gemeinnützige Organisationen zu ändern. Es gibt da ein spezielles, aber dieser Beamte meinte nur, dass wir ein normales Arbeitsvisum beantragen sollen. Das kostet aber pro Monat umgerechnet 150 € !!! Daher habe ich mich entschieden lieber illegal zu arbeiten, als einen so hohen Betrag zu zahlen. Da haben wir auch kein Budget für. Michael sagte, dass mich hier auf dem Land niemand stören wird.

Anschließend haben wir dann das gesamte Holz für die Fenster- und Türrahmen bestellt. Es ist in Kisumu preiswerter als in Siaya und in dieser Qualität nicht erhältlich.

Die Jungs haben gestern mit dem Lehmsteinmauerwerk mit Lehmmörtel begonnen. Das war das erste Mal, dass sie auf diese Art gemauert haben. Und sie sind begeistert. Es dauert zwar noch etwas länger, aber das Mauerwerk sieht gut aus.

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Da wir zwei Sets von Schalung und somit zwei Arbeitgruppen haben werden, benötigen wir noch weitere Rammer und andere Diagonale Streben um die Schalung zu halten. Ich habe mir ein System aus einem leicht verfügbaren Standard- Stahlrohr überlegt, das flexibel und einfach ist.
Ich hatte einen Termin mit einem Schlosser. Er war pünktlich in seinem Workshop. Also System beschreiben und dann – ganz wichtig – den Preis aushandeln. Das ist immer ein „Spiel“ das sein muss. Die Preise sind immer erstmal zu hoch und manche meinen, obwohl sie mich mittlerweise kennen, mir einen Mzungu- Preis (= extra hoch) zu machen. Aber das kenne ich ja schon und habe das Spiel mitgespielt. Geeinigt haben wir uns auf die Hälfte des ersten angebotenen Preises.

Dann weiter zu meinem Lieblingsviertel Jua Kali. Diesmal brauchte ich nicht suchen, sondern wusste, bei welchem Schrotthändler ich die Stahlprofile für die Rammer bekomme. Auch wo das wahrscheinlich einzige verzinkte Rohr in Siaya zu bekommen war, wusste ich vom letzten Mal. Gehandelt, gekauft und Träger beauftragt das Rohr zum Schrotthändler zu bringen,  ablängen und an die Stahlprofile anschweißen. Transportiert habe ich die Teile dann in zwei Fuhren auf dem Mopped. Real Kenyan style.

Samstag ist Zahltag. Das Geld liegt schon in kleinen Scheinen bereit. Vormittag musste ich mal einen intensiven Bürotag einlegen. Um ungestört arbeiten zu können, blieb ich nur kurz auf der Baustelle und fuhr dann nach Hause
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zurück. Mittlerweile nimmt das hier ziemliche Ausmaße mit der Arbeit an, so dass ich ständig eingespannt bin, um den Blog aktuell zu halten, die Rechnungen einzugeben, Angebote einzuholen, die Baustelle unter Kontrolle halten und immer 14 Tage im Voraus denken muss.

Heute konnte ich die letzten Rammer abholen. Die diagonalen Schalungsstützen sind auch fast fertig.

IMG_9447 Unsere selbstgeschnitzten Rammer

Also zurück zur Baustelle mit dem dicken Bündel Geld und die ArbeiterInnen bezahlt. Einer der beiden Frauen musste ich heute leider kündigen, weil sie trotz mehrfacher Ermahnungen viel herum gestanden und gequatscht, langsam gearbeitet und eine sehr negative Energie verbreitet hat. Die negative Energie ging gar nicht gegen das Projekt, sondern die war einfach grundsätzlich negativ.

Auch mit zwei von drei Fundis musste ich heute Morgen ein ernstes Wort reden. Einer kommt oft zu spät und überzieht die Mittagspause. Das habe ich ihm heute vom Lohn abgezogen. Der Andere ruht sich gerne im Schatten aus und denkt nicht selbständig mit. Beides können wir nicht dulden, denn sie haben Vorbild- und Leitungsfunktionen.

New year

28.12. – 03.01.2016

In der Nacht kam wieder Wasser. Also habe ich heute vor dem Frühstück erstmal den Wassertank aufgefüllt. Es kam eine ziemlich braune Brühe, die aber nach Chlor riecht. Das Braune ist nur Erde, die sich im Fass absetzt. Und schon hat man sauberes Wasser. Für mich relativieren sich angesichts solcher Umstände viele Probleme von zu Hause.

Mein Mopped blieb heute auf halbem Weg zur Baustelle liegen, so dass ich mich später von einem Moppedtaxi (Boda Boda) nach Siaya schleppen ließ um es zu reparieren. Es dauerte zwar den halben Vormittag, hatte aber nur eine kleine Ursache.
Auf der Baustelle konnten wir heute zunächst nicht richtig arbeiten, da es in der Nacht sehr viel geregnet hatte und alles sehr matschig war.
Nachmittags haben wir angefangen das erste Waisenhaus- Gebäude einzumessen.

Das Einmessen der Wohneinheit war eine echte Herausforderung, da dieses Stück des Grundstücks eine relativ starke Neigung hat. Gegen Mittag war es geschafft und das Ausschachten begann. Der Boden in diesem Stück ist viel härter als in den oberen Bereichen.

Mit Ouma, Michael Aput und Anthony (der Bauingenieur) habe ich die  Erfahrungen und die Handhabung der Schalung und das Lehmrammen diskutiert und beschlossen, die Elemente zu verkleinern um sie leichter zu machen. Das kenianische Holz ist wesentlich schwerer als unseres. Beim Ausschalen hatte ich wirklich Angst, jemand würde sich verletzen.

 

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Die Umbauarbeiten laufen. Das dauert natürlich, weil wir aus dem vorhandenen Konzept ein Neues entwickeln müssen. Dazu gehören auch einige Diskussionen. Das läuft alles sehr partnerschaftlich und auf Augenhöhe ab.

Die Fundamentgräben wurden heute fertig.

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Links seht ihr die sebst gebaute Prüfform für die Ermittlung der Mörtelkonsistenz. Die rechten Teile sind Prüflinge aus Lehm und Sand um das Schwindmass und die Rissbildung zu ermitteln.

Eine kleine Mannschaft wollte am Neujahrstag arbeiten. Ganz vorne mit dabei unser Vorarbeiter Michael Aput und der neue Mann Anthony Oudo. Er ist Bauingenieur und hat sich als normaler Arbeiter beworben. Als er sich vorgestellt hat, war er extrem aufgeregt. Wir haben uns zunächst eine Weile unterhalten. Dabei stellte sich heraus, dass er in Afrikas größtem Flüchtlingslager Dadaab bereits mit Lehm gearbeitet hat, allerdings mit gepressten Lehmsteinen und unter Zusatz von Zement. Er hat ein umfangreiches Fachwissen und eine angenehme Persönlichkeit. So habe ich ihn sofort eingestellt. Er hat sich schnell und problemlos in das Team eingefügt und hat nach ein paar Tagen die Gruppenleitung übernommen. Ich empfinde ihn als sehr angenehmen Mitarbeiter.

Der Umbau der Schalung ist eine weitere Herausforderung und hat heute den ganzen Tag in Anspruch genommen. Es war gut, heute nur ein kleines Team auf der Baustelle zu haben, so dass wir uns auf die Schalung konzentrieren konnten. Abends war dann alles soweit auf- und ausgerichtet, dass wir morgen mit dem Lehmeinbau beginnen können. Ich habe ebenfalls bei der Schalung mitgeholfen und parallel Lehmmörtel getestet, um in der nächsten Wochen mit dem Vermauern der Lehmsteine am Toilettengebäude zu beginnen.
Der Nachteil beim Lehmbau ist, dass es immer eine gewisse Vorlaufzeit benötigt, bevor man beginnen kann. Dazu gehören Tests zur Beurteilung und das Einweichen, genannt Mauken.
Bei dem Lehmeinbau stellte sich dann heraus, dass die Schalung noch etwas nachgezogen werden musste, da sie etwas auseinander gegangen war. Wir arbeiten zunächst an einem kleinen Gebäude, dass zunächst als Lager und später als Lehrerzimmer genutzt wird, bevor wir die Klassenräume beginnen. Das hat sich wieder einmal mehr als guten Start erwiesen.

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Zum Jahreswechsel möchte ich noch persönlich etwas zu dem Projekt mitteilen. Der Fokus liegt jetzt hier bei der Baustelle und was wir jeden Tag machen. Um  diese Baustelle überhaupt zu ermöglichen, hat es sehr viel Vorbereitung gebraucht. Angefangen über Vorgespräche, Konzeptplanungen, öffentliche Veranstaltungen, Anträge stellen und vieles mehr. Dafür bedanke ich mich bei allen Mitgliedern und Unterstützern, die bei den verschiedenen Aktionen mitgeholfen haben. Ganz vorne dabei Susanne Koschewski, unsere 2. Vorsitzende. Ohne ihr umfassendes Engagement und der Anderen wären wir noch lange nicht soweit. Viele Aktionen wurden in Hennef und Umgebung durchgeführt, die sie federführend geleitet hat. Dazu gehören die Teilnahme an Weihnachtsmärkten, Afrikatage in Köln, Stadtfest, Gala bei Lars Stallnig, plus Vor- und Nachbereitung, um nur ein paar zu nennen.
Hier in Kenia sind wir rund 20 Arbeiter, die das Projekt schultern. So schaffen wir es, recht große Dinge auch ohne Maschinen zu bewegen. In Hennef dagegen ist die Anzahl der Schultern noch zu gering – zu viel lastet bei Susanne. Ich bitte daher diejenigen, die den Blog verfolgen und denen das Projekt gefällt, sich mit einer kleinen ZEITspende zu beteiligen. Die Art der Arbeit und den Umfang kann entsprechend eurer Fähigkeiten und Wüschen besprochen werden. Das Kontakttelefon: 02242 – 873275.

Vielen Dank und alles Gute für 2016!

IMG_9389 Blick auf die Baustelle vom gegenüber liegenden Hang

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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E.R.C.

21. – 27.12.2015

Montag Morgen. Unsere Arbeiter sind vollständig erschienen. Kennedy hat einen Weg von fast 20 km (!), den er normalerweise mit dem Fahrrad bewältigt. Wegen dem starken Regen in der Nacht waren die Wege so matschig, dass er nicht fahren konnte. So ist er den ganzen Weg zu Fuß gegangen und kam sogar fast pünktlich an. Was für eine Belastung! 20 km Fußmarsch in der Nacht, dann 8 Stunden Arbeit auf der Baustelle und danach noch diese lange Strecke Fußmarsch zu nach Hause. Er arbeitet für 350 KSh (= ca. 3,50 €) pro Tag. Daran sieht man, wie wichtig ihm der Job ist, aber auch, wie hier die Bedingungen sind.
Heute Morgen kamen 15 Bewerber auf die Baustelle. Auch Frauen sind dabei. Zwei haben wir eingestellt. Langsam werden wir die Zahl der ArbeiterInnen erhöhen.

Zwischen durch  fuhren wir kurz nach Ny’ga zu Mama Sarah, der Großmutter von Barak Obama!
Michael kennt hier so viele Leute, auch Obama persönich , dass es leicht war, bei ihr einen Termin zu bekommen.

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Mama Sarah .                                                                                                                                             In dem rechten Haus hat Obama immer
gewohnt, wenn er als Kind, bzw.  Jugendlicher zu Besuch war
Sie ist eine einfache Frau geblieben, die alles was sie hat, sowie ihren Namen für ein Waisenhaus einsetzt. Obamas Halbschwester Auma ist ebenfalls sozial engagiert. Wir haben mit ihr telefoniert und wollen versuchen mit ihr zu kooperieren.

Dienstag. Heute wollen wir die erste Wandecke erstellen! Als wir dann die halbe Höhe erreichten und den zweiten Teil der Schalung aufbauen wollten, mussten wir feststellen, dass trotz der Prüfung beim Tischler, Maßtoleranzen vorhanden sind. So mussten wir Teile erst anpassen. Das dauerte dann den Rest des Tages. Aber morgen kann es dann wirklich losgehen!

Die betonierte Decke der Toiletten wurde aus- und die zweite Decke eingeschalt. Morgen soll die zweite Decke betoniert werden, so dass der Beton über die Weihnachtstage aushärten kann. Ausserdem haben wir noch weitere Siebe gebaut, da wir große Mengen an Lehm verarbeiten werden.

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Alle freuen sich auf die morgige Weihnachtsfeier. Es wird eine kleine Feier mit den Arbeitern und den M.O.C.C. – Mitgliedern geben. Wie bei uns, wird zu Weihnachten gut gegessen. So haben wir etwas zu essen und Getränke wie Cola organisiert. Alkohol wird es nicht geben. Für die Arbeiter gibt es Tshirts mit der Aufschrift: „M.O.C.C.’s  E.R.C. – Earth Research Centre“, eine Bezeichnung, die von uns allen in den letzten Wochen aus einem Spaß heraus, über R.C: und R.C.C.  entwickelt wurde.
Alle sind mächtig stolz zu unserem Team zu gehören und sind heute besonders fleißig, um morgen die Baustelle gut präsentieren zu können.
Die Tshirts wurden uns spontan von Sympathisanten aus Deutschland gestiftet.

Die erste Lehmwand ist fertig gestellt. Kurz vor Feierabend haben wir sie ausgeschalt. Sie sieht gut aus, die Oberfläche ist glatt und die Schalung hat sich nur etwas verbogen, weil noch zwei Kanthölzer fehlten. Alle sind stolz auf diese erste Wand!

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Heiligabend. Unsere Lehmwand ist umgefallen! Alle waren so geschockt und sehr enttäuscht. Alle wollten jetzt voll motiviert richtig loslegen.  Und dann das! Die Ursache war dann aber schnell gefunden: Vorgestern hatten wir die Wand bis auf halbe Höhe gestampft und über Nacht abgedeckt. In der Nacht hat es dann sehr stark geregnet. Wasser ist in Ritzen zwischen Folie und Schalung eingedrungen, lief bis  in die Basis herunter und hat sie so einseitig aufgeweicht. Der Regen kam von Osten, um gefallen ist sie nach Westen.

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Allerdings erwarteten wir heute Gäste zu der Feier. Daher haben wir im Wesentlichen alles aufgeräumt, Gerätschaften gesäubert und die Feier vorbereitet .

Die Mitarbeiter bekamen die gestifteten Tshirts und waren sehr stolz darauf. Sie haben rund 120 unterschiedlichsten Bäume mitgebracht, die wir einpflanzten. Alle diese Bäume  sind Spenden von den Mitarbeitern. Auch das ist ein Zeichen der Identifikation mit dem Projekt.
Zwei Köchinnen hatten Essen zubereitet. Wir schließen die Baustelle für drei Tage und fangen am Montag wieder an.
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Der 25.12. ist hier der eigentliche Weihnachtstag. Auf Grund der Armut vieler Händler, öffnen viele auch an Sonn- und Feiertagen, so auch am Weihnachtstag ihre Stände und Geschäfte. Daher ist kaum weniger Betrieb in den Strassen. Die Weihnachtsfeierei ist sehr viel weniger spektakulär als bei uns.

Wir wohnen im Ortsteil Mbaga. Dort haben wir jetzt schon den 7. Tag kein Wasser in der Leitung. Wasser und Strom fallen ständig aus, manchmal nur kurze Zeit, aber auch länger. Daher hat jeder ein Wasserfass mit einem Notvorrat im Haus. Aber nach sieben Tagen sind auch diese rund 50 Liter aufgebraucht. So lernt man hier ganz schnell, sich mit wenig und mit sehr wenig Wasser zu waschen. Mein Rekord liegt bei 3 Litern! Davon habe ich dann noch die Hälfte des schmutzigen Wassers in einer Schüssel aufgefangen, die ich dann in den Klospülkasten fülle. So kann man wenigstens hin und wieder die Klospülung benutzen. Ansonsten gibt es nur die Latrine.
Auch lernt man hier, wenn man abends „duschen“ geht, eine Taschenlampe mitzunehmen. Es ist ziemlich unpraktisch, plötzlich eingeseift im Dunkeln zu stehen. Das alles nervt natürlich alle, wird aber recht gelassen hingenommen, weil es so oft passiert.

Das meiste habe ich über den Bauablauf geschrieben. Es laufen jedoch viele andere Aktionen parallel. Michael ist ständig  in Sachen des Projektes unterwegs . So haben wir z.B.einen Berater der Weltbank zum Grundstück eingeladen der 14 afrikanische Länder berät und vielleicht ein Verbindungsmann für uns werden kann.  Am 25.12. bekommt Michael dann einen Anruf: Dieser Berater ist auf dem Grundstück. Wir müssen alles stehen und liegen lassen und zum Grundstück fahren.
Vor kurzem war Michael mit seinem Bruder Stephen Okello, der der Hauptverantwortliche und Koordinator des Papstbesuches im November, bei dem Gouverneur. Okello kennt durch seine Arbeit viele wichtigen Leute, mit denen er uns verbinden kann. Michael ist morgens fast immer einer der Ersten auf der Baustelle und ist dort mein Verbindungsmann wenn es ums Übersetzen in Dholuo geht. Dann fährt er meistens , um sich mit den unterschiedlichsten wichtigen Menschen zu treffen. Oft sehe ich ihn tagsüber kaum. Abends bei Abendessen berichtet er dann. Das Mittagessen fällt bei ihm deswegen oft aus. Auch die Fahrt zu Obamas Großmutter und Halbschwester war nur teilweise privat und  im Wesentlichen für die Verlinkung unseres Projektes gedacht.
Alle diese Kosten wie Benzin, Verwaltungsgebühren für MOCC etc. bezahlen Michael, Julius und Celestine aus eigener Tasche. Eine Fahrt mit dem Mopped- Taxi Boda Boda von Siaya zur Baustelle kostet 50 KSh = 50 cent. Angesichts der geringen Einkünfte ist das viel Geld. Mit den drei oben Genannten haben wir wirklich Glück, denn es ist hier um ein vielfaches schwieriger als bei uns, Ehrenamtler zu gewinnen.  Das liegt daran, dass die Armut so groß ist, dass viele ständig arbeiten müsen. Viele, die einen Angestelltenjob haben, gehen im Urlaub woanders arbeiten. Viele Händler verkaufen auf der Strasse von morgens um 9 Uhr bis nachts um 22 Uhr und das 7 Tage pro Woche!  Da ist dann kein Platz mehr, um sich ehrenamtlich einzubringen. Das sind ziemlich andere Verhältnisse, die wir uns von zu Hause nicht vorstellen können!
So versuchen manche über kriminelle Aktionen an Geld zu kommen. Aber es gibt auch  Spendenwillige und auch viele Superreiche. Die Schere zwischen Arm und Reich geht hier sehr weit auseinander. Diese Spendenwilligen haben Angst, auf ein Fake- Projekt herein zufallen. Der Fantasie ist bei Betrügereien keine Grenze gesetzt und ist hier sehr kreativ. Daher muss man einem Projekt wie unserem, taktisch den richtigen Zeitpunkt erwischen, wann man Spenden akquiriert. Es gibt nur eine Chance! Und man muss natürlich einen relativ weit voran geschrittenen Baufortschritt haben. Nur so kann man vorweisen, dass man wirklich seriös ist. Das ist schon ziemlich anders als bei uns.

IMG_9205Kinder im Gegenlicht der untergehenden Sonne

Ganze Mannschaft

14. – 20.12.2015

Bis Donnerstag hatte ich mir eine Auszeit genommen und bin mit dem Motorrad zum Rift Valley, dem ostafrikanischen Grabenbruch, gefahren. Eine tolle Landschaft, wo das Land von 2.300 m fast senkrecht auf  rund 1.300 m  abfällt.
Arbeitgeberfreundlich habe ich mir die zweite Magen- Darmverstimmung unterwegs geholt, so dass im Urlaub genügend Zeit war, es auszukurieren.

Zurück auf der Baustelle.
Während meiner Abwesenheit hat sich viel auf der Baustelle getan: Jede Menge Erde wurde gemischt, ein Sieb gebaut und die Decke der Toiletten betoniert.

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Michael hat in der Zwischenzeit recherchiert, wo wir möglichst einfach weiteren Lehm bekommen. Etwas außerhalb ist eine Straßenbaustelle. Dort hat er organisiert, dass der Lehm per Radlader aufgeladen wird. Er hat für einen Tag einen großen Lkw gemietet und so 14 Ladungen Lehm bekommen. Der Lehm und das Aufladen waren kostenlos. Super Aktion! Der Weg war relativ gut zu passieren, aber kaum war die letzte Lieferung gebracht, brach hier wieder ein heftiges Unwetter rein. Glück gehabt.

Heute möchte ich euch unsere komplette Mannschaft vorstellen:
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Heute sind wir damit beschäftigt, uns an die Handhabung der Schalung zu gewöhnen. Das ist zuerst gar nicht so einfach und das erste Verfüllen dauerte zunächst relativ lange. Aber heute ist Samstag, die Woche ist rum und die Mannschaft erschöpft. Am Montag geht es dann erfrischt weiter.

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