Wandanker und Schalung

07. – 13.12.2015

Der Bau der Toiletten geht weiter. Mittlerweile haben wir 1.600 Lehmsteine für den Toilettenaufbau geformt. Das ist eine Versuchs- und Kostensparmassnahme. Die Aufbauten kosten uns nur Sand und Arbeitslohn. Das wird ziemlich preiswert. Um die Lehmsteine mit Lehmmörtel zu vermauern muss der Lehm auf die richtige Konsistenz geprüft werden. Dazu benötige ich eine Prüfform, die ich heute bestellt habe.

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Michael ist heute aus Dar-es-Salam in Tansania zurück gekommen. Da wir die Wandanker in Nairobi nicht bekommen haben, fuhr Michael nach Tansania, um sie dort zu kaufen. Ware, die ohne Begleitung verschickt wird, wird hoch versteuert, wenn sie überhaupt durchgelassen wird. Er ist dann alleine mit über 150 kg gereist. Dabei gab es in Mombasa 7 Stunden Verspätung, weil die Fähre defekt war.
Die Wandanker zu bekommen war ein Abenteuer für sich: Ein Weltkonzern, der u.a. mit Wandankern und Schalungsmaterial handelt und in Nairobi eine Niederlassung hat, hatte nichts auf Lagerund konnte uns nur wenige seiner Kunden nennen. Diese Wenigen antworteten entweder nicht, oder hatten die angefragten Anker nicht. Es gab nur ein Angebot aus Dar-es-Salam in Tansania! Da der Transport sehr teuer war und der Zoll ein Problem ist, fuhr Michael mit dem Bus hin. 1.500 km pro Weg. Wobei 1.500 km in Afrika wie 3.000 km in Europa zu verstehen sind. Das sind zwei Tage Fahrt pro Weg! Auf dem Rückweg musste er dann beim Zoll Kitu kidogo bezahlen. Ein Schmiergeld, denn sonst wäre noch viel teurer und langwieriger geworden.

Heute war quasi vorgezogene Bescherung. Es war echt so. Wir haben wie die Kinder die Pakete mit den Wandankern geöffnet und uns über diese paar Stahlteile riesig gefreut.

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Ansonsten laufen die normalen Arbeiten wie Untergeschosswände der Toiletten mauern, Baustelle aufräumen, Lehm mischen…

Alles läuft normal, ohne besondere Vorkommnisse und alles wartet auf die Schalung. Bei dem Tischler bin ich jetzt ziemlich häufig. Der Erklärungsbedarf der Zeichnungen ist ziemlich hoch, weil er so etwas noch nicht gemacht hat. @Bernhard: Danke für Deine Zeichnungen. Sie sind ziemlich gut!

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Der Tischler, der auch Bernhard heisst, hat zwar die Zeichnungen verstanden, wird aber einfach nicht fertig. Er arbeitet zwar dran, hat aber immer weitere Fragen, verspricht kurzfristig zu liefern und liefert dann doch nicht. Dann benötigen wir noch verschiedene Kleinteile, die so einfach nicht zu finden sind und separat anzufertigen sind. Das ist immer sehr aufwendig.

Auf der Baustelle halten wir uns mit verschiedenen Arbeiten hin: Ouma fertigt die Urin- Einlauftrichter für die Trenntoiletten vor. Die Fliesen werden trapezförmig zugeschnitten und dann als verlorene Schalung in die Form eingelegt und einbetoniert. Diese Trichter werden dann vor dem betonieren der Toilettendecke auf die Schalung aufgesetzt und einbetoniert.

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Als ich etwas frustriert vom Tischler zurück kam, fand ich die Arbeiter total enttäuscht vor. Sie wollen endlich mit den Wänden anfangen. Wir haben dann gemeinsam den Ofen mit einem Unterputz versehen. Das wurde eine große und kurze Aktion. Alle wollten sich beteiligen. Anschließend war dann auch die Stimmung wieder besser.

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Donnerstag. Vor einer Woche wollte der Tischler liefern. Ich fuhr mehrfach zu seinem Workshop. Gegen Mittag war er fast fertig. Nur die Löcher fehlten noch. Er begann sie einzumessen, hatte aber nicht den richtigen Bohrer. Also fuhr ich zurück zur Baustelle um unseren Bohrer zu holen. Dann stellte er fest, dass Differenzen mit den Kanthölzern von 1 inch = 2,5 cm (!) gab. Er meinte, wir können die Bohrlöcher versetzen. Das habe ich aber abgelehnt. Der Chef selber war nicht erreichbar. Seine Mitarbeiter sprechen so gut wie kein Englisch und mein Kiswahili ist noch zu begrenzt, um technische Zusammenhänge zu erläutern. So langsam stieg ziemlicher Ärger in mir auf. Das kam auch trotz Sprachbarriere ziemlich klar rüber. Ich habe angeordnet, dass die Kanthölzer entfernt werden. Das Einmessen werde ich dann gemeinsam mit ihm machen.
Auf der Baustelle habe ich in Absprache mit Ouma und Michael umdisponiert.

Die Zeit ohne Schalung habe ich genutzt, eine Reihe von Angeboten für Türen, Stahlfenster, Verglasung, Holz und Wellblech einzuholen. Bis Ende des Jahres muss ich noch das restliche Geld von der ersten Mittelanforderung ausgeben. Kostenmäßig sieht es gut aus. Da wir ohne Bauunternehmung, sondern alles mit eigenen Leuten machen, konnten wir viel Geld sparen. Unsere Mitarbeiter waren alle arbeitslos und haben so für die Bauzeit einen Job. Das Konzept geht auf.
Weil die Lehmbautechnik und der Ofenbau hier nicht bekannt sind, haben wir schon öfter Jokes gemacht; dass diese Baustelle eine „Research Site“ ist ….abgekürzt „RS“. Das ganze hat sich dann mit viel Spaß von Tag zu Tag weiter entwickelt, über „RC“….“Research Centre“ bis hin zu „RCC“….“Research Centre Community“. Das kam alles von den Mitarbeitern. George Omundi will es auf den Schuppen malen. Die Botschaft dahinter ist erneut: Das ist unser RCC, unsere Baustelle.

Heute wurde dann endlich der erste Teil der Schalung geliefert, nachdem der Tischler sich über eine Woche verspätet hat.

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Zwischendurch erhielten wir Besuch von Fr. George, der von dem Konzept  begeistert ist. Wir sind  überkonfessionell, nehmen aber die Unterstützung von der Kirche gerne an.

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Wir bekamen auch Beuch von Mzee Oloo, der von der Bevölkerung gewählt wurde, sich ehrenamtlich um Sozialfälle wie Waisen und alleinstehende Menschen mit Kindern in schwierigen Verhältnissen zu kümmern. In seinen Papieren sind solche Fälle registriert. Sein Besuch bestätigt die Akzeptanz.

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2 Gedanken zu „Wandanker und Schalung“

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