E.R.C.

21. – 27.12.2015

Montag Morgen. Unsere Arbeiter sind vollständig erschienen. Kennedy hat einen Weg von fast 20 km (!), den er normalerweise mit dem Fahrrad bewältigt. Wegen dem starken Regen in der Nacht waren die Wege so matschig, dass er nicht fahren konnte. So ist er den ganzen Weg zu Fuß gegangen und kam sogar fast pünktlich an. Was für eine Belastung! 20 km Fußmarsch in der Nacht, dann 8 Stunden Arbeit auf der Baustelle und danach noch diese lange Strecke Fußmarsch zu nach Hause. Er arbeitet für 350 KSh (= ca. 3,50 €) pro Tag. Daran sieht man, wie wichtig ihm der Job ist, aber auch, wie hier die Bedingungen sind.
Heute Morgen kamen 15 Bewerber auf die Baustelle. Auch Frauen sind dabei. Zwei haben wir eingestellt. Langsam werden wir die Zahl der ArbeiterInnen erhöhen.

Zwischen durch  fuhren wir kurz nach Ny’ga zu Mama Sarah, der Großmutter von Barak Obama!
Michael kennt hier so viele Leute, auch Obama persönich , dass es leicht war, bei ihr einen Termin zu bekommen.

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Mama Sarah .                                                                                                                                             In dem rechten Haus hat Obama immer
gewohnt, wenn er als Kind, bzw.  Jugendlicher zu Besuch war
Sie ist eine einfache Frau geblieben, die alles was sie hat, sowie ihren Namen für ein Waisenhaus einsetzt. Obamas Halbschwester Auma ist ebenfalls sozial engagiert. Wir haben mit ihr telefoniert und wollen versuchen mit ihr zu kooperieren.

Dienstag. Heute wollen wir die erste Wandecke erstellen! Als wir dann die halbe Höhe erreichten und den zweiten Teil der Schalung aufbauen wollten, mussten wir feststellen, dass trotz der Prüfung beim Tischler, Maßtoleranzen vorhanden sind. So mussten wir Teile erst anpassen. Das dauerte dann den Rest des Tages. Aber morgen kann es dann wirklich losgehen!

Die betonierte Decke der Toiletten wurde aus- und die zweite Decke eingeschalt. Morgen soll die zweite Decke betoniert werden, so dass der Beton über die Weihnachtstage aushärten kann. Ausserdem haben wir noch weitere Siebe gebaut, da wir große Mengen an Lehm verarbeiten werden.

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Alle freuen sich auf die morgige Weihnachtsfeier. Es wird eine kleine Feier mit den Arbeitern und den M.O.C.C. – Mitgliedern geben. Wie bei uns, wird zu Weihnachten gut gegessen. So haben wir etwas zu essen und Getränke wie Cola organisiert. Alkohol wird es nicht geben. Für die Arbeiter gibt es Tshirts mit der Aufschrift: „M.O.C.C.’s  E.R.C. – Earth Research Centre“, eine Bezeichnung, die von uns allen in den letzten Wochen aus einem Spaß heraus, über R.C: und R.C.C.  entwickelt wurde.
Alle sind mächtig stolz zu unserem Team zu gehören und sind heute besonders fleißig, um morgen die Baustelle gut präsentieren zu können.
Die Tshirts wurden uns spontan von Sympathisanten aus Deutschland gestiftet.

Die erste Lehmwand ist fertig gestellt. Kurz vor Feierabend haben wir sie ausgeschalt. Sie sieht gut aus, die Oberfläche ist glatt und die Schalung hat sich nur etwas verbogen, weil noch zwei Kanthölzer fehlten. Alle sind stolz auf diese erste Wand!

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Heiligabend. Unsere Lehmwand ist umgefallen! Alle waren so geschockt und sehr enttäuscht. Alle wollten jetzt voll motiviert richtig loslegen.  Und dann das! Die Ursache war dann aber schnell gefunden: Vorgestern hatten wir die Wand bis auf halbe Höhe gestampft und über Nacht abgedeckt. In der Nacht hat es dann sehr stark geregnet. Wasser ist in Ritzen zwischen Folie und Schalung eingedrungen, lief bis  in die Basis herunter und hat sie so einseitig aufgeweicht. Der Regen kam von Osten, um gefallen ist sie nach Westen.

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Allerdings erwarteten wir heute Gäste zu der Feier. Daher haben wir im Wesentlichen alles aufgeräumt, Gerätschaften gesäubert und die Feier vorbereitet .

Die Mitarbeiter bekamen die gestifteten Tshirts und waren sehr stolz darauf. Sie haben rund 120 unterschiedlichsten Bäume mitgebracht, die wir einpflanzten. Alle diese Bäume  sind Spenden von den Mitarbeitern. Auch das ist ein Zeichen der Identifikation mit dem Projekt.
Zwei Köchinnen hatten Essen zubereitet. Wir schließen die Baustelle für drei Tage und fangen am Montag wieder an.
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Der 25.12. ist hier der eigentliche Weihnachtstag. Auf Grund der Armut vieler Händler, öffnen viele auch an Sonn- und Feiertagen, so auch am Weihnachtstag ihre Stände und Geschäfte. Daher ist kaum weniger Betrieb in den Strassen. Die Weihnachtsfeierei ist sehr viel weniger spektakulär als bei uns.

Wir wohnen im Ortsteil Mbaga. Dort haben wir jetzt schon den 7. Tag kein Wasser in der Leitung. Wasser und Strom fallen ständig aus, manchmal nur kurze Zeit, aber auch länger. Daher hat jeder ein Wasserfass mit einem Notvorrat im Haus. Aber nach sieben Tagen sind auch diese rund 50 Liter aufgebraucht. So lernt man hier ganz schnell, sich mit wenig und mit sehr wenig Wasser zu waschen. Mein Rekord liegt bei 3 Litern! Davon habe ich dann noch die Hälfte des schmutzigen Wassers in einer Schüssel aufgefangen, die ich dann in den Klospülkasten fülle. So kann man wenigstens hin und wieder die Klospülung benutzen. Ansonsten gibt es nur die Latrine.
Auch lernt man hier, wenn man abends „duschen“ geht, eine Taschenlampe mitzunehmen. Es ist ziemlich unpraktisch, plötzlich eingeseift im Dunkeln zu stehen. Das alles nervt natürlich alle, wird aber recht gelassen hingenommen, weil es so oft passiert.

Das meiste habe ich über den Bauablauf geschrieben. Es laufen jedoch viele andere Aktionen parallel. Michael ist ständig  in Sachen des Projektes unterwegs . So haben wir z.B.einen Berater der Weltbank zum Grundstück eingeladen der 14 afrikanische Länder berät und vielleicht ein Verbindungsmann für uns werden kann.  Am 25.12. bekommt Michael dann einen Anruf: Dieser Berater ist auf dem Grundstück. Wir müssen alles stehen und liegen lassen und zum Grundstück fahren.
Vor kurzem war Michael mit seinem Bruder Stephen Okello, der der Hauptverantwortliche und Koordinator des Papstbesuches im November, bei dem Gouverneur. Okello kennt durch seine Arbeit viele wichtigen Leute, mit denen er uns verbinden kann. Michael ist morgens fast immer einer der Ersten auf der Baustelle und ist dort mein Verbindungsmann wenn es ums Übersetzen in Dholuo geht. Dann fährt er meistens , um sich mit den unterschiedlichsten wichtigen Menschen zu treffen. Oft sehe ich ihn tagsüber kaum. Abends bei Abendessen berichtet er dann. Das Mittagessen fällt bei ihm deswegen oft aus. Auch die Fahrt zu Obamas Großmutter und Halbschwester war nur teilweise privat und  im Wesentlichen für die Verlinkung unseres Projektes gedacht.
Alle diese Kosten wie Benzin, Verwaltungsgebühren für MOCC etc. bezahlen Michael, Julius und Celestine aus eigener Tasche. Eine Fahrt mit dem Mopped- Taxi Boda Boda von Siaya zur Baustelle kostet 50 KSh = 50 cent. Angesichts der geringen Einkünfte ist das viel Geld. Mit den drei oben Genannten haben wir wirklich Glück, denn es ist hier um ein vielfaches schwieriger als bei uns, Ehrenamtler zu gewinnen.  Das liegt daran, dass die Armut so groß ist, dass viele ständig arbeiten müsen. Viele, die einen Angestelltenjob haben, gehen im Urlaub woanders arbeiten. Viele Händler verkaufen auf der Strasse von morgens um 9 Uhr bis nachts um 22 Uhr und das 7 Tage pro Woche!  Da ist dann kein Platz mehr, um sich ehrenamtlich einzubringen. Das sind ziemlich andere Verhältnisse, die wir uns von zu Hause nicht vorstellen können!
So versuchen manche über kriminelle Aktionen an Geld zu kommen. Aber es gibt auch  Spendenwillige und auch viele Superreiche. Die Schere zwischen Arm und Reich geht hier sehr weit auseinander. Diese Spendenwilligen haben Angst, auf ein Fake- Projekt herein zufallen. Der Fantasie ist bei Betrügereien keine Grenze gesetzt und ist hier sehr kreativ. Daher muss man einem Projekt wie unserem, taktisch den richtigen Zeitpunkt erwischen, wann man Spenden akquiriert. Es gibt nur eine Chance! Und man muss natürlich einen relativ weit voran geschrittenen Baufortschritt haben. Nur so kann man vorweisen, dass man wirklich seriös ist. Das ist schon ziemlich anders als bei uns.

IMG_9205Kinder im Gegenlicht der untergehenden Sonne

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