Stampflehm und Lehmsteine

04. – 10.01.2016

Die erste Aktion war heute die Schalung zu entfernen. Wieder waren alle sehr gespannt. Die neue Wand sieht gut aus. Lediglich an ein paar kleinen Stellen war die Mischung etwas zu trocken. Das sind aber nur kleine Stellen, die ausgebessert werden können.

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Weiter werden die Streifenfundamente des Waisenhauses betoniert, Lehmmörtel für morgen vorbereitet, weitere Schalungselemente umgebaut, gesiebt und die Schalung für den nächsten Wandabschnitt aufgebaut.

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Ich bin damit beschäftigt, defekte Gerätschaften reparieren zu lassen und Materialien zu besorgen. So habe ich heute eine Gießkanne gekauft. Eigentlich nichts besonders. Industriell produzierte habe ich noch nicht gesehen. Es gibt hier ein Gewerbegebiet „Jua kali“. Das bedeutet „Heiße Sonne“, oder auch „Scharfe Sonne“, weil hier die Kleinhandwerker unter der heißen Sonne arbeiten. Ein herbes Viertel. Mittlerweile bin ich da gut bekannt und irgendwie mag ich dieses Viertel. Hier wird nämlich mit einer unglaublichen Kreativität alles Mögliche recycelt. Die besagte Gießkanne z.B. wurde aus alten Blechen gebaut. Das gefällt mir hier: Nichts wird weggeworfen, sondern aus dem Gesammelten entstehen neue Dinge. Das ist ökologisch und verschafft vor allem den Handwerkern Arbeit. Außerdem ist es oft preiswerter.

IMG_9449 Cool, ne?

IMG_9431 Diese Schüssel „Carrey“ wurde ebenfalls recycled

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Das ist mein Bauleitungsbüro

Immer wieder kommen Leute auf die Baustelle und wollen die Lehmwand sehen. Michael meint, dass das hier eine Menge verändern wird , wenn sich das erstmal rumgesprochen hat. Dann würde es auch nicht mehr lange dauern, bis Zeitungsreporter und Fernsehteams kommen.

Nach der ersten Wand haben wir entschieden, dass wir jetzt zuerst die Schalung weiter umbauen um später zwei „Sets“ zu haben. Also wieder getüftel. Heute habe ich den halben Tag mit gearbeitet. Und zwar haben wir zwei Schalungsrahmen so umgebaut, dass wir nachher Hölzer in der Wand haben, um die Türen daran festzuschrauben.

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Auf Basis der Lehmmörteltests haben wir heute Mischung für Lehmmörtel angesetzt, um morgen mit dem Lehmsteinmauerwerk beginnen zu können.

Mittwoch. Eine Fahrt nach Kisumu  (ca. 70 km und die 3. größte Stadt)  ist heute erforderlich, weil morgen mein Visum abläuft. Das Touristenvisum, dass man bei der Einreise bekommt ist maximal 3 Monate gültig. Es kann einmal um weitere 3 Monate verlängert werden. Das dauert den ganzen Tag und passt mir gar nicht ins Konzept, muss aber sein. Außerdem können wir bei der Gelegenheit ein paar Dinge besorgen, die in Siaya nicht erhältlich sind.

Als Erstes zum Immigration Office. Dort erwartete uns wieder der gleiche unfreundliche und unmotivierte Beamte wie beim letzten Mal. Auf Grund der Al Shabab Anschläge werden die Visa nicht mehr so leicht verlängert wie früher. Also haben wir uns eine Geschichte für den Beamten überlegt. Eine von Michael’s Töchtern ist in Österreich verheiratet. Michael erzählte ihm, dass ich aus der Familie des Schwiegersohns stamme und ihn hier besuche. Der Beamte war zunächst ziemlich abweisend. Michael hat ihm dann flüchtig 1.000 KSh zugesteckt und plötzlich wurde er etwas gesprächiger. Er füllte das DIN A3 Formblatt aus, nahm meine Abdrücke von allen Fingern und wurde zwischendurch etwas ungehalten, als ich nicht verstand, wie er die Fingerabdrücke nehmen wollte. Was ihn dann völlig konfus machte war die Tatsache, dass er nicht verstand, ob ich nun Deutsch, oder Dutch sei. Mehrfach mussten wir ihm erklären, dass German = Deutsch ist und Dutch = Holland, und ein anderer Staat ist. zwischendurch wurde er dann leicht ungehalten. Ich erhielt den vorläufigen Ausweis (Alien Card), der richtige Ausweis dauert 2 Monate. Zu guter Letzt hat er dann vergessen die offizielle Bearbeitungsgebühr von 2.000 KSh zu kassieren. Ich hab nichts gesagt. Den Stempel im Reisepass und den vorläufigen Pass habe ich.
Ich bin also nach wie vor illegal hier. Da ich nur ein Touristenvisum habe, darf ich nicht arbeiten. Daher waren wir vor 3 Monaten schon mal hier, um das Touristenvisum in ein Arbeitsvisum für gemeinnützige Organisationen zu ändern. Es gibt da ein spezielles, aber dieser Beamte meinte nur, dass wir ein normales Arbeitsvisum beantragen sollen. Das kostet aber pro Monat umgerechnet 150 € !!! Daher habe ich mich entschieden lieber illegal zu arbeiten, als einen so hohen Betrag zu zahlen. Da haben wir auch kein Budget für. Michael sagte, dass mich hier auf dem Land niemand stören wird.

Anschließend haben wir dann das gesamte Holz für die Fenster- und Türrahmen bestellt. Es ist in Kisumu preiswerter als in Siaya und in dieser Qualität nicht erhältlich.

Die Jungs haben gestern mit dem Lehmsteinmauerwerk mit Lehmmörtel begonnen. Das war das erste Mal, dass sie auf diese Art gemauert haben. Und sie sind begeistert. Es dauert zwar noch etwas länger, aber das Mauerwerk sieht gut aus.

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Da wir zwei Sets von Schalung und somit zwei Arbeitgruppen haben werden, benötigen wir noch weitere Rammer und andere Diagonale Streben um die Schalung zu halten. Ich habe mir ein System aus einem leicht verfügbaren Standard- Stahlrohr überlegt, das flexibel und einfach ist.
Ich hatte einen Termin mit einem Schlosser. Er war pünktlich in seinem Workshop. Also System beschreiben und dann – ganz wichtig – den Preis aushandeln. Das ist immer ein „Spiel“ das sein muss. Die Preise sind immer erstmal zu hoch und manche meinen, obwohl sie mich mittlerweise kennen, mir einen Mzungu- Preis (= extra hoch) zu machen. Aber das kenne ich ja schon und habe das Spiel mitgespielt. Geeinigt haben wir uns auf die Hälfte des ersten angebotenen Preises.

Dann weiter zu meinem Lieblingsviertel Jua Kali. Diesmal brauchte ich nicht suchen, sondern wusste, bei welchem Schrotthändler ich die Stahlprofile für die Rammer bekomme. Auch wo das wahrscheinlich einzige verzinkte Rohr in Siaya zu bekommen war, wusste ich vom letzten Mal. Gehandelt, gekauft und Träger beauftragt das Rohr zum Schrotthändler zu bringen,  ablängen und an die Stahlprofile anschweißen. Transportiert habe ich die Teile dann in zwei Fuhren auf dem Mopped. Real Kenyan style.

Samstag ist Zahltag. Das Geld liegt schon in kleinen Scheinen bereit. Vormittag musste ich mal einen intensiven Bürotag einlegen. Um ungestört arbeiten zu können, blieb ich nur kurz auf der Baustelle und fuhr dann nach Hause
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zurück. Mittlerweile nimmt das hier ziemliche Ausmaße mit der Arbeit an, so dass ich ständig eingespannt bin, um den Blog aktuell zu halten, die Rechnungen einzugeben, Angebote einzuholen, die Baustelle unter Kontrolle halten und immer 14 Tage im Voraus denken muss.

Heute konnte ich die letzten Rammer abholen. Die diagonalen Schalungsstützen sind auch fast fertig.

IMG_9447 Unsere selbstgeschnitzten Rammer

Also zurück zur Baustelle mit dem dicken Bündel Geld und die ArbeiterInnen bezahlt. Einer der beiden Frauen musste ich heute leider kündigen, weil sie trotz mehrfacher Ermahnungen viel herum gestanden und gequatscht, langsam gearbeitet und eine sehr negative Energie verbreitet hat. Die negative Energie ging gar nicht gegen das Projekt, sondern die war einfach grundsätzlich negativ.

Auch mit zwei von drei Fundis musste ich heute Morgen ein ernstes Wort reden. Einer kommt oft zu spät und überzieht die Mittagspause. Das habe ich ihm heute vom Lohn abgezogen. Der Andere ruht sich gerne im Schatten aus und denkt nicht selbständig mit. Beides können wir nicht dulden, denn sie haben Vorbild- und Leitungsfunktionen.

2 Gedanken zu „Stampflehm und Lehmsteine“

  1. Hallo nach Kenia! Ich verfolge seit Anfang an mit großem Interesse diesen Blog und muss jetzt einfach mal kurz ein Statement abgeben: Ich finde es unglaublich bewundernswert, was insbesondere Sie Herr Wäsche vor Ort und natürlich auch alle anderen Unterstützer und Helfer leisten. Der soziale Gedanke und die selbstlose Hilfe für die Waisenkinder ist riesige Anerkennung wert.

    Da ich Bauingenieur bin, interessieren mich auch die bautechnischen Details. Ich kann ich mir etwa ausmalen, wie schwer es ist, unter diesen Bedingungen eine Baumaßnahme zu managen. Da kann ich nur meinen Hut ziehen, wie Sie das meisten! Weiter so!

    1. Vielen Dank! Ich werde das Lob an die Beteilgten weitergeben. Es sind besondere Bedingungen unter denen wir arbeiten, das stimmt. Aber das Ganze ist nur möglich, weil ich einerseits eine Menge Unterstützung von den Mitgliedern in Deutschland habe, was z.B. die Planung der Schalung und alles andere betrifft. Andererseits trägt jeder Mitarbeiter einen wesentlichen Teil zum Gelingen bei. Die Fundis bringen sich mit ihrem Fachwissen ein und die Arbieter leisten ihren Beitrag. Einfachste Arbeiten wie Sieben und Mischen sind sehr wichtig, ohne die das Pojekt nicht realisierbar wäre. Viele Grüße.

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